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das rote sofa (literatur & mehr)
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...ist literarisch, musikalisch, kulturell und subversiv
Auf dem Sofa nehmen Personen Platz, die etwas zu sagen haben. AutorInnen, MusikerInnen, Egagierte, KünstlerInnen, Multitalente, LautsprecherInnen und und und
...bietet Platz für mehr als nur eineN
Das Rote Sofa ist keine Bühne für AlleinunterhalterInnen. Es lebt von Teamarbeit und der Lust sich gegenseitig die Bälle zuzuspielen. Es ist mindestens ein Zweisitzer und bietet auch Platz für drei oder mehr Personen.
... ist immer für eine Überraschung gut
Ob Punk, Rap, Klassik oder Pop, analog oder digital, Krimi, Großstadtszenen, Provinzposse, Theorie oder Praxis: die Enladungsliste für das Sofa spiegelt viele Lebensrealitäten wieder. Keine Patentrezepte, dafür Handlungsreichungen von damals und heute. Anregungen, das Leben zu ändern. Oder einfach nur den Horizont zu erweitern
... ist Kontinuität
Kommunikation und Interaktion in angenehmer Athmosphäre jenseits des bürgerlichen Feuilletons. Einmal im Monat. Nicht kommerziell.
... ist lokal und überregional
Zum Platznehmen eingeladen sind sowohl Personen aus Göttingen und der Region als auch solche von außerhalb. Wer zusammen passt, muss nicht drängeln. Wer sich reiben muss, bietet Raum für Diskussionen.
... ist kooperativ
Das Sofa steht zwar im Theaterkeller, will aber nicht mit anderen Veranstaltern konkurrieren. Aus diesem Grund will es kein Platzhirsch sein, sondern bemüht um eine produktive Kooperation mit anderen. Die Veranstaltungen in der Reihe "Das Rote Sofa" werden vom
StadtRadio Göttingen begleitet und anschließend auf der Frequenz 107,1 mhz ausgestrahlt. Zum Nachhören, Diskutieren, Genießen oder sich schlicht an einen netten Abend Erinnern.
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Die Termine der Reihe, die zur Zeit feststehen:
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Freitag, 3. Juli 2009 20 Uhr
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Das Rote Sofa: "Schund -
was anderen billig, ist uns nur recht"
Zu Gast: Die Ramsch und Literatur Fusion aus Kiel
feat.: Nils Aulike, Stephanie ferkel und DJ Mayhem deluxe.
Thema: "Lassiter - der härteste Mann des Wilden Westen".
"als er zur seite schaute, sah er sein girl auf dem boden liegen. die revolverschwinger hatten sie gefesselt, doch
sonst schien ihr nichts passiert zu sein. er sah die hoffnung in den augen der jungen frau aufglimmen, doch angesichts
seiner situation wußte er nicht, ob sie berechtigt war. angesichts der männer, die hinter ihm standen, würde es ihm
wohl schwer fallen, northway und seinen kumpanen einzuheizen."
Die Ramsch- und Literaturfusion aus Kiel macht sich erneut auf den beschwerlichen Weg nach Göttingen
und lädt zu einem staubig-amüsanten Abend mit harten Männern, doppelläufigen Schrotflinten und Feuerwasser
ein. Cowboys und Indianer, garniert mit einem Schuss Weisheit der Groschenhefte. Wird der Held den
Fängen seines Erzfeindes Sidney Blood entkommen? Und: welche Rolle spielt Lassiter beim Sturz des
mexikanischen Diktators Porfirio Diaz? Antworten auf all das und mehr sowie einen tiefgründigen
Blick hinter die Fassaden des Wilden Westens gibt es am 3. Juli im Göttinger Theaterkeller.
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Termine der Reihe, die bereits stattgefunden haben:
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Dienstag, 24. April 2007 20 Uhr
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Das Rote Sofa: "30 Jahre Punk"
zu Gast: Martin Büsser (Musiker und Autor)
Seitdem die Sex Pistols 1977 ihre Single "God save the Queen" heraus brachten, bahnte sich der
Punk als Gegenkultur immer wieder seinen Weg an die Oberfläche. Eine junge, zynische,
provokante und schnelllebige Szene mit eigenen Ausdrucksformen: Hässlichkeit als Programm,
zerfetzte Kleidung, Sicherheitsnadeln im Gesicht und mit Kopiergeräten billig hergestellte
Fanzines. Anfang der 1980er Jahre verbreitete sich der Punk über die ganze Welt, und es
entstanden verschiedene Punk-Szenen in fast allen Ländern Europas, Amerikas und Ostasiens,
insbesondere auch in den kommunistischen Staaten des Ostblocks. Zugleich wurde der Punk ernsthafter,
aggressiver und in gewissem Sinne politischer. Während die Punks in der Gesellschaft auf
Unverständnis, Ablehnung und sogar Hass stießen, wurde der Punk gleichzeitig zu einer
Art Popkultur. Ein Widerspruch, mit dem sich heute u.a. in den Regalen von Modeketten Geld
machen lässt. Nach 30 Jahren also Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen und einen Blick auf
die Befindlichkeit des Punk zu wagen.
Zu Gast: Martin Büsser, *1986, freier Journalist (u.a. Intro, Spex, Jazzthetik,
Konkret, taz), von 1989-1996 regelmäiger Mitarbeiter des Punk-Zines "ZAP", seit 1995
Redakteur und Mitherausgeber der Buchreihe "testcard" (Popgeschichte und Jugendkultur).
anschließend Filmvorfürung von "American
Hardcore" im Lumière.
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Freitag, 13. April 2007 20 Uhr
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Das Rote Sofa: "Schund -
was anderen billig, ist uns nur recht" Lesung
Zu Gast: Die Ramsch und Literatur Fusion aus Kiel
feat.: Nils Aulike, Stephanie ferkel und DJ Mayhem deluxe.
»Willst du meine Frau werden, Isabelle?«
Isabelle Malden rührte sich - Prinz Michael de Vernon blickte
zärtlich auf die junge Frau hinunter, die er in den Armen hielt.
Isabelle Malden rührte sich
nicht. Sie hielt die Augen geschlossen und wagte kaum zu atmen. Als könne sie damit diesen Augenblick
festhalten. »Bekomme ich keine Antwort, Liebling?« Die Stimme klang weich und warm, aber auch
ein bißchen drängend -, nein, das war kein Traum! Isabelle erlebte das wirklich. Sie, die
kleine unbedeutende Amerikanerin war gerade von dem Erben eines europäischen Fürstengeschlechts
gefragt worden, ob sie seine Frau werden wolle. Ach, wie gerne Isabelle wollte! Doch Isabelles
Vergangenheit wirft dunkle Schatten auf das junge Glück.
Die Ramsch- und Literaturfusion aus Kiel macht sich erneut auf den
beschwerlichen Weg nach Göttingen und lädt zu einem herzöglichen Abend mit
Kronen und Krönchen ein, wahrer Liebe und Intrigen garniert mit einem Schuss Weisheit
der Groschenhefte. Wird der Prinz das Herz der jungen Amerikanerin gewinnen können?
Wird das europäische Fürstengeschlecht diese Begegnung mit einer Bürgerlichen
überleben, ohne Schaden zu nehmen? Antworten auf all das und ein tiefgründiger Blick
hinter die Fassaden des Adels gibt es an diesem Abend im Göttinger Theaterkeller.
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Sonntag, 18.
Februar 200720 Uhr
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Aaron Cometbus
und Nagel, Sänger
von Muff
Potter Lesung
Aaron Cometbus, Punk-Rock-Legende aus New York, ist zum ersten Mal auf
Lesetour in Deutschland. Unterstützt wird er von Nagel von Muff Potter, der aus seinem Debütroman vortragen wird.
Aaron
Cometbus ist einer der wichtigsten Protagonisten der amerikanischen Punk-Szene.
Seit nunmehr über 20 Jahren begleitet er die Veränderungen dieser Subkultur in seiner
spezifisch amerikanischen Ausprägung. Im Alter von 13 Jahren brachte Aaron Cometbus die
erste Ausgabe seines Fanzines heraus. Zuerst veröffentlichte er ausschließlich
Interviews und Artikel über Bands der lokalen Punk-Community. Im Laufe der Zeit
widmete Cometbus sich vermehrt in Essays, Tourtagebüchern und Comics den Idealen,
der Leidenschaft, den persönlichen Geschichten hinter der Musik. Mittlerweile
veröffentlicht Aaron Cometbus vor allem eigene Short Stories, die von seinen Reisen
durch die USA und Europa handeln, aber auch Potential und Limitationen des Punkbegriffs
ausloten. Sein erster Roman "Doppelzwei" erschien 2004 im Lautsprecherverlag.
In dieser quasi autobiographischen Erzählung schildert der Autor das Leben einer
Punk-WG in Berkeley, Kalifornien. Ständig abgebrannt, unglücklich verliebt, auf der
zwanghaften Suche nach was auch immer, streunen die Charaktere wie moderne Waltons
auf Drogen durch das Buch. "Doppelzwei" lässt sich passgenau zwischen "Please Kill Me"
von Legs McNeil/Gillian McCain und Rocko Schamonis "Dorfpunks" einreihen. Auch hier
kann man den Autor noch aus seinen Lebensumständen deuten. Aaron Cometbus
kann darüber hinaus den eigenen Background genauso lebendig, erstaunlich und
problematisch schildern wie neue Orte und Szenarien, die er erkundet. Das Fremde ist
genauso interpretierungswürdig wie die eigene Kultur. Cometbus ist Punk-Ethnographie,
niemals anmaßend, niemals beschönigend und immer koffeinhaltig.
Nagel ist Sänger, Texter und Gitarrist von Muff Potter. 2005 erschien ihr
bislang erfolgreichstes Album "Von wegen" auf Universal. Doch Muff Potter gibt es
schon seit 1993. Am Anfang veröffentlichten sie ihre Platten in Eigenregie und
buchten ihre Touren selbst. Nagel brachte außerdem ein in der deutschen Punkszene
einflussreiches Fanzine namens "Wasted Paper" heraus. Trotz großer
Plattenfirma im Hintergrund ist Nagel der Do it yourself-Gedanke aufgrund
seiner Herkunft immer wichtig geblieben. Denn wenn man aus einer Kleinstadt
kommt, muss man die Dinge selbst in die Hand nehmen, will man nicht in der
Letahrgie zwischen Schützenfest und Abiparty versauern. Von Anfang an ging es
Nagel und Muff Potter auch darum, ihre Stadtgrenzen zu überwinden und sich neuen
Erfahrungen auszusetzen. Ein Song der Band heißt leitmotivisch "I love Fahrtwind"
und thematisiert das In-Bewegung-Bleiben und Ausbrechen aus dem starren Korsett
des angewandten Spießertums einer kleinkarierten Punkszene. Auch davon handeln
Nagels Geschichten, die er auf dem Roten Sofa vorstellen wird.
Der Monsters
of Göttingen-blog hat zur Vorankündigung der Veranstaltung ein kurzes Interview
mit Nagel gemacht [klick].
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Freitag, 5. Januar 2007 20 Uhr
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Das Rote Sofa: "Schund - was anderen billig, ist uns nur recht" Lesung
Zu Gast: die neue ramsch und literatur fusion aus kiel. Stephanie Ferkel und Nils Aulike, sounds and songs by mayhem delux.
der junge chirurg wandte sich dem unglaublich winzigen körper zu, der an einem monitor angeschlossen war. er schätzte die herzfrequenz. zu langsam dachte er, viel zu langsam. säuglinge brauchen mehr als 100 schläge pro minute. "beatmen!", kommandierte er. "nullkommaeins milligramm atrophin, adrenalin" "kammerflimmern!", meldete dr. kellberg. "ich reanimiere", sagte dr. wolfram ein weiteres mal. hoffentlich würde er dieses kleine leben zurückholen können.
wird dr. wolfram das junge leben retten? Und wie wird sein herz in der jungen liebe entscheiden? aus der reihe chefarzt dr. holl sein leben, seine liebe, seine patienten lesen am freitag 05.01.07 nils aulike und steffanie ferkel. musik und ähnliches von dj mayhem delux.
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Dienstag, 12. Dezember 2006 20 Uhr
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Kathrin Passig
und Holm Friebe von
der Zentralen
Intelligenz Agentur Lesung
Das Rote Sofa: "Das
nächste große Ding"
Als Holm Friebe die Zentrale Intelligenz Agentur
gründete, wollte er einen ganz neuen Typus von Agentur schaffen: die Parodie einer Firma, die,
wenn überhaupt, nur virtuelles Geld mache. Unter anderem war die umtriebige Agentur an der Entwicklung
des web-Blogs Riesenmaschine beteiligt,
das in diesem Jahr den begehrten Grimme-Preis erhielt. In der Begründung der Jury heißt
es: "Formal von geradezu vollendeter Klarheit zeigt sich das Konzept glanzvoll bei dem Versuch,
klassische journalistische Qualität zu pflegen und sich gleichzeitig durch Texte von teils
akrobatischer Virtuosität in eine produktive Entfernung zu ebendiesem klassischen Journalismus
zu begeben." Das hätte niemand akrobatischer formulieren können, schon gar nicht die
Riesenmaschine selbst. Die Agenten dieses kapitalistisch-sozialistischen Joint-Ventures
veröffentlichen regelmäßig einen Lagebericht ihrer Operationen und Observationen in
einer Kolumne der Berliner Zeitung. Friebe als Agent für Kommando, Kontrolle und Kommunikation,
Kathrin Passig zuständig für Taktik, Technik und Theorie. Letztere konnte die Jury des
Bachmannpreises in diesem Jahr mit ihrem Text
"Sie befinden
sich hier" überzeugen und erhielt
dafür den Bachmannpreis und den Kelag-Publikumspreis.
In ihren Kolumnen reden Passig und Friebe nicht nur über digitale Lebensaspekte: So philosophieren sie über
Salatsorten ("Mit dem Rucola ist es ein bisschen wie mit Joschka Fischer. Eigentlich
hätte er schon längst abdanken wollen. Aber immer, wenn er sich umschaute, musste
er feststellen: 'Da kommt nicht viel nach.'"), erzählen die Entstehungsgeschichte des
T-Shirt-Aufdrucks und unterteilen die Welt der Konsumenten in Biber und Waschbären.
Die Kolumnen bestechen durch Scharfsinn bei gleichzeitig leichter Erzählweise. Dabei geht es
den Autoren gar nicht darum, was das nächste große Ding im Internet oder der
nächste große Trend sein wird, sondern die gesellschaftlich relevanten Komponenten von
Amazon-Nutzerprofilen, Google Earth oder Mode-Fakes aufzudecken. Unter dem Titel "Das Nächste
Große Ding" ist die lesenswerte Kolumnensammlung im Verbrecher Verlag erschienen und paart
Alltagsbeobachtungen mit weit reichender Netzkenntnis. Man erfährt Dinge, die man nie wissen
wollte: dass Börsenkurse in Orchestermusik umgesetzt werden, dass Google eine eierlegende
Wollmilchsau ist, dass bei eBay 50 Millionen gleichzeitige Auktionen laufen und die schöne
eBay-Welt ein Handelsvolumen von über 30 Milliarden US-Dollar hat, was das Dreifache der
Wirtschaftsleistung Uruguays ist. Angekommen in der Seriösität des
Zwischendurch-Feuilletons macht der Gegentrend das unaufhörliche Trendspotting ein wenig
lächerlich. Dabei ist es das Trendspotting, das ihn aus den dunkelsten Trendecken herausholt
und ad absurdum führt.
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Dienstag, 17. Oktober 2006 20 Uhr
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Das Rote Sofa: "Warum geht es mir -immer noch- so dreckig?" - Talking about Ton Steine Scherben
Lesung
Zu Gast: Wolfgang Seidel, ehemaliger Schlagzeuger von Ton Steine Scherben, Berlin
Gibt man bei einer Suchmaschine
im Internet "Der Kampf geht weiter" ein, stößt man zuerst auf die
gleichnamigen Zeichentrickfilme der X-Men und Starship Troopers. Erst auf
dem dritten Platz folgt eine Seite, die sich konkret auf den Titel des
gleichnamigen Songs der Gruppe "Ton Steine Scherben" von ihrem ersten
Album "Warum geht es mir so dreckig" bezieht. Dabei waren die Scherben
das musikalische Sprachrohr einer Generation, die zu Beginn der
1970er Jahre zur Revolte gegen Eltern, Lehrer, Chefs und den
bundesdeutschen Staat aufbrach. Für die einen Rock'n'Roll, für die
anderen das lauteste Flugblatt der Welt: keine Studentenparty, Demonstration
oder Hausbesetzung, auf der nicht irgendwann Songs der Scherben gespielt
wurden. Eine hypnotisierende Melange aus Gossenjargon und Bibelzitaten,
Bakuninparaphrasen und Moritaten - mit einem ordentlichen Schuss
Herzblut-Schmodder: wütende und leidenschaftliche Popmusik, die auch
heute nichts von ihrer Kraft verloren hat. Auf dem Roten
Sofa berichtet der
erste Schlagzeuger der Band, Wolfgang Seidel, Jahrgang 1949, von den wilden
Anfangsjahren der Scherben: ihren Konzerte, ersten Auftritten im Fernsehen
und der damaligen Stimmung in der Bundesrepublik Deutschland. Ähnlich
wie in dem von ihm herausgegebenen Sammelband "Scherben" [1] steht die Frage
im Mittelpunkt, was vom politischen Erbe der Band bleibt und wie sich
Musik politisch artikulieren kann, ohne missverstanen zu werden.
1. Wolfgang
Seidel (Hg.): "Scherben. Musik, Politik und Wirkung der Ton Steine Scherben".
Ventil-Verlag, Mainz.
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Mittwoch, 7. Juni 2006
20 Uhr
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Raul Zelik + Ronald Schminke
Lesung
Das Rote Sofa: "Neues von den Baustellen der Republik"
Raul Zelik (Autor, Berlin) trifft Ronald Schminke
(Vorsitzender des Bezirks Niedersachsen Süd der IG Bau, Göttingen)
Ein Gespenst geht um auf den Baustellen der Republik: "Outsourcing" ist das neue Zauberwort, ohne das
nahezu nichts mehr geht. Das Nachsehen haben jene, die ohnehin ganz unten stehen: Illegale, die zur
Schwarzarbeit gezwungen sind und beim Preisdumping oftmals ohne Lohn ausgehen. So geschehen auf der Baustelle
der JVA in Rosdorf - aber nicht nur dort. Während der Gewerkschafter Ronald Schminke von den Realitäten
auf Göttinger Baustellen berichtet, liest der Berliner Autor Raul Zelik aus seinem Buch
"Berliner Verhältnisse", das die Presse als "Glücksgriff" feiert. Enstanden aus einem gemeinsamen
Drehbuch von Raul Zelik und Detlev Buck wird hier brilliant mit Kreuzberger Alternativen-Klisches gespielt
ohne dabei die Contenance zu verlieren. Mario, Single, Anfang 30, wird hart auf die Probe gestellt als die
wohnungslosen rumänischen Nachbarn, die vergeblich auf ihre Schwarzlöhne vom Bau am Potsdamerplatz
warten, unbegrenztes Asyl in seiner WG in Anspruch nehmen. Gemensam mit seinen Mitbewohnern beschließt
er, die Löhne auf eigene Faust einzutreiben und zieht damit ein ungewolltes, aber rentables
Inkasso-Unternehmen auf. Alles gerät vollkommen außer Kontrolle, als plötzlich sein
Immobilienlöwen-Bruder und eine attraktive neue Bekanntschaft mehr damit zu tun bekommen, als gut
für diese Mehrecksbeziehungen ist. Empörend hohe Schwarzmaktzahlen, skandalöse
Baubranchenmorde oder gelungene Abschiebungsrazzien treffen auf Bauarbeiter mit Kunsthistoriker-Diplom,
Anzugträger, Schwarzarbeiter, Asylbewerber, Hippies, Kuba-Sympatisanten und einen Mann mit einem
rosa Hasenkostüm. Und wie Raul Zelik den Leser da in rasender Geschwindigkeit durch das Berlin von
heute führt, wie er sich auf den Baustellen und in ganz Berlin herumjagt, Geschichten findet, Pointen,
Witze, Grausamkeiten, wie er all die Geschichten zu einer großen zusammenbindet, zu einem echten,
lesenswerten Roman von hier und heute, das ist großartig und sehr lesenswert. Zeliks "Berliner
Verhältnisse" verharmlosen nicht die Zustände, stellen sie aber in Zusammenhänge, in
denen solche "Verhältnisse" gehandhabt werden wie der WG-Abwasch. Die Tragik ist groß,
aber das freudige Gebrüll beim letzten Teller, lässt nicht lange auf sich warten.
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Mittwoch, 3. Mai 2006
20 Uhr
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Lee Hollis & Jan Off
Lesung
Das Rote Sofa. The Kings of spoken punk: Punkrock-Battle mit Lee Hollis und Jan Off
Das gab es noch nie und das kommt so schnell nicht wieder: Lee Hollis
und (Sir) Jan Off gemeinsam auf einer Lesebühne! Sieger nach PUNKten:
Das Publikum!
Wenn Lee Hollis und Jan Off sich ihren Punk-Rock Battle liefern, ist
alles offen. Nur eines steht fest: mit Hollis und Off sind zwei Meister
des geschriebenen Punk-Rock zu Gast. Lee Hollis kam Anfang der Achtziger
als GI nach Deutschland und entdeckte sehr schnell die gerade
entstandene Punk- und Hardcore-Szene in Deutschland. Von nun an war er
nicht mehr zu bremsen: mit seinen Bands Spermbirds, 2 Bad und Steakknife
schrieb Sänger und Texter Lee Hollis Punkgeschichte. Außerdem war er
Layouter und Mitarbeiter des legendären Punk-Fanzines "Zap", bis er sein
Talent als Autor entdeckte und seit Mitte der Neunziger auch zahlreiche
Spoken-Wort-Auftritte absolvierte, die ihm das Prädikat "Der deutsche
Henry Rollins - nur sympathischer" einbrachten. Am 3. Mai trifft er im
Lese-Battle auf Jan Off. Der wurde im Jahr 1967 in Craiova, Bulgarien
geboren, war Minigolfprofi, Hobbyastronaut und Sonderbotschafter des
Vereins "Rettet die Hausfrauenlyrik". 1994 wurde er als "Volksschädling"
zu drei Jahren verschärfter Zwangsarbeit in den Kaliminen
Südostniedersachsens verurteilt, es folgte 1996 die vorzeitige
Entlassung. Off ist Mitglied der kulturbolschewistischen Internationale,
wurde 2000 National Slam Champion und gewann ein Jahr später den German
Grand Slam.
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